Die Mär vom grünen Wasserstoff
Kurze Antwort vorab: Wasserstoff löst die Energiewende nicht. Die längere Antwort beantwortet eine Folgefrage — warum ein freier Markt das Problem nicht längst gelöst hat, wenn der Stoff so vielversprechend wäre.
Eine konkrete Idee — und ihr Haken
Stellen Sie sich vor, eine Kreisstadt plant auf einer stillgelegten Deponie eine große PV-Anlage. Der Strom soll grünen Wasserstoff erzeugen, der dann Heizungen versorgt oder LKW antreibt. Klingt nach Energiewende-Lehrbuch. In der Praxis: teuer und ineffizient.
Die Energiebilanz Schritt für Schritt
Was passiert chemisch? Elektrolyse spaltet Wasser in seine Bestandteile:
H₂O → H₂ + ½ O₂
Beim Verbrennen läuft die Reaktion rückwärts. Moderne Elektrolyseure schaffen Wirkungsgrade um die 90 %. Schon hier verlieren wir 10 % der eingespeisten Energie. Anschließend muss der Wasserstoff komprimiert werden — auf über 200 bar — was wieder Energie und teure Peripherie kostet. Seine Energiedichte ist gering: etwa ein Drittel von Erdgas, ein Viertel von Benzin. Hohe Verdichtung ist Pflicht, nicht Komfort.
Dann der Transport. Wasserstoff ist das kleinste Molekül im Periodensystem, diffundiert durch Stahl und Kunststoff, beschädigt viele Materialien und verlangt nach Speziallegierungen oder Kryotanks bei -253 °C. Beim Verbrennen in einer Brennstoffzelle landen wir bei rund 50 % Wirkungsgrad.
Die Kette in einer Zeile
Strom → Elektrolyse → Verdichtung → Transport → Brennstoffzelle. An jedem Glied geht Energie verloren. Das Ergebnis als Kostenvergleich:
- Benzin: rund 7,08 € pro 100 km
- Wasserstoff: rund 22,13 € pro 100 km
Ein anschauliches Beispiel liefert Kawasaki: der Prototyp eines wasserstoffbetriebenen Motorrads zeigt, woran das Konzept im Mobilitätssektor scheitert.
Wo Wasserstoff Sinn ergibt — und wo nicht
Wir sagen nicht, dass Wasserstoff überflüssig ist. In einigen Industrieprozessen ist er die richtige Wahl, und für gezielte Anwendungen kann steigende Effizienz die Bilanz verschieben. Als breit ausgerollter Energiespeicher für Heizung und Mobilität rechnet er sich jedoch in absehbarer Zeit nicht.
Die naheliegende Alternative
Überschüssiger Strom lässt sich auch direkt nutzen — als Rechenleistung mit Erlös, deren Abwärme dort eingespeist wird, wo Wärme tatsächlich gebraucht wird. Wärme ist günstig speicherbar, das Modell ist bereits im industriellen Maßstab erprobt. Genau das ist der Kern dessen, was wir bei Stackforest bauen: Wärme, die rechnet.